Herzlich Willkommen

Aufruf zu einer Spendenaktion zum Erhalt des jüdischen Friedhofs in Hemsbach.

Der jüdische Friedhof in Hemsbach ist seit mehr als 300 Jahren letzte Ruhestätte für weit über 1000 Juden aus Hemsbach und aus 10 weiteren jüdischen Gemeinden entlang der Bergstraße. Das unwegsame Gelände beeindruckt immer wieder Besucher bei Führungen, doch zeigte sich bei den letzten Stürmen, dass viele Bäume dem Wind nicht mehr standhalten. Dabei sind schon Gräber und Grabsteine schwer beschädigt worden. Der Friedhof muss so schnell wie möglich saniert werden, was bedeutet, dass bis zu 300 Bäume abgeholzt werden müssen. Das ist aber nur unter höchst komplizierten Bedingungen möglich, da auf manchen Flächen die Grabsteine sehr dicht nebeneinander stehen. Die Rodung muss von einem Spezialunternehmen durchgeführt werden. Da die Stadt Hemsbach für den Friedhof verantwortlich ist, muss sie auch die Kosten von ca. € 100.000.- aufbringen. Der Verein Ehemalige Synagoge Hemsbach sieht sich für den Erhalt des Friedhofs verantwortlich, zumal die Nachkommen vieler hier begrabener Menschen vertrieben oder ermordet wurden. Wir wollen die dringend erforderliche Maßnahme mit einer Spendenaktion unterstützen. Und bitten alle, denen der Erhalt des jüdischen Erbes in Hemsbach und deutschlandweit ein Anliegen ist, um eine Spende für die Baumfällaktion. Die Spende ist steuerabzugsfähig; Sie erhalten ab einer Spende von € 20.- eine Bescheinigung und – auf Wunsch – auch Informationen zum weiteren Vorgehen und zum Ergebnis. Der Vorstand steht auch dafür gerade, dass die Gelder dem genannten Zweck zuverlässig zugeführt werden. Unsere Kontonummer: Ehemalige Synagoge Hemsbach IBAN DE65 6705 0505 0068 0046 59 BIC: MANSDE66XXX

Verantwortlich: Albrecht Lohrbächer, 1. Vors., Kontakt über website: ehemalige-synagoge-hemsbach.de und über email: aulohr@t-online.de

====>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>=====>>>>>>>>>=====>>>>>>>>>============>>>>>======== Gedenken – 80 Jahre nach der Deportation der Hemsbacher Juden am 22. Oktober 1940

40 Jahre lag Schweigen über einem Verbrechen, das am 22. Oktober 1940 mitten unter uns geschehen ist: die Deportation der letzten 19 jüdischen Bewohner Hemsbachs. Zu nächtlicher Stunde, völlig unvorbereitet, waren sie, z.B. der gebrechliche 91-jährige Cäsar Oppenheimer aus der Schlossgasse genauso wie die gerade 18-jährige Lotte Schlösser in der Bachgasse, aus ihren Wohnungen geholt und vom Rathausplatz in Bussen nach Mannheim transportiert worden. Sie konnten kaum etwas mitnehmen, das Ziel der Deportation wurde ihnen verschwiegen, zusammen mit 6500 weiteren Leidensgenossen aus Baden, der Pfalz und dem Saarland wurden sie in neun Zügen nach Südwest-Frankreich in ein Lager am Rande der Pyrenäen, nach Gurs, deportiert. Keiner überlebte diese mörderische Behandlung durch die eigenen Landsleute. Erst 1980 – ich verstehe bis heute nicht, wie ein Ort das 40 Jahre lang totschweigen konnte, warum nicht nach dem Schicksal der ehemaligen Nachbarn und Mitbewohner gefragt wurde – also erst 1980, genau vor 40 Jahren begannen Hemsbacher sich zu erinnern: Am Abend des 22.Oktober 1980 zog ein langer Schweigemarsch von mehr als 200 Bewohnern durch den Ort zur Ehemaligen Synagoge. Alle verband der Wille „nicht noch einmal schweigen“, „nicht noch einmal vergessen“! Der Schweigemarsch 1980 war der Anfang einer Gedenktradition, unterstützt von wichtigen Hemsbacher Institutionen, Stadtverwaltung mit Gemeinderat, Schulen, Kirchen und Synagogenverein. Man muss dennoch nüchtern heute am 80-jährigen Gedenktag festhalten, nie mehr waren seit 1980 so viele Hemsbacher wie damals bereit, sich diesem Gedenken anzuschließen. Dennoch setzen wir, ohne nachzulassen, Jahr für Jahr diese Tradition fort. Sind wir deswegen aus der Zeit gefallen, unverbesserlich und rückwärtsgewandt? Haben wir in diesen Zeiten der Pandemie und in großem zeitlichem Abstand zu jenen Verbrechen nichts Wichtigeres zu tun? Es macht mich stolz, dass wir auch heute Abend wieder dieses Gedenken zusammen mit jungen Leuten aus unseren Schulen gestalten. Es macht mich zufrieden, dass wir uns seit Jahren, eigentlich seit den 1980er Jahren, auf die Schulen, auf viele Lehrer dort verlassen können. Kaum ein Jahr verging, ohne dass Schüler an diesem Gedenken mitgewirkt hätten. Was wären wir mit unserem Tun, wenn wir Alten von damals uns heute auf uns allein gestellt sähen, das Ende der Gedenkkultur wäre nahe! Darum danke ich im Namen aller Verantwortlichen den drei weiterführenden Schulen, der Schiller- und der Carl-Engler-Schule wie auch dem Bergstraßen-Gymnasium für die immer wieder abrufbare Bereitschaft! Im vergangenen Jahr haben wir dazu beim Besuch von Angehörigen aus der zweiten und dritten Generation ehemaliger Hemsbacher direkt hören können, wie wichtig es ihnen ist, dass wir uns der Schicksale ihrer Vorfahren erinnern. Auch dieses Jahr war die Teilnahme eines Nachkommen aus den USA angekündigt. Corona hat die Absicht zunichte gemacht. Ich stelle fest: Wenn wir erinnern, immer wieder, dann stellen wir uns öffentlich gegen jegliche Judenfeindlichkeit. Wir haben es doch nicht nur mit erinnertem Judenhass, damals vor 80 Jahren, zu tun! Judenfeindlichkeit hat sich auch mehrfach in den letzten Jahren in Hemsbach gezeigt. Juden sind es müde, immer wieder angegriffen zu werden, Hamburg, Frankfurt, Berlin… und anschließend große Beschwichtigungsworte hören zu müssen. Juden sind es müde, in ihre Gottesdienste nur mit Polizeischutz gehen zu können. Juden sind es müde, im Netz Verunglimpfungen lesen zu müssen und anschließend zu hören, das sei eben Meinungsfreiheit. Das „Nie wieder“ darf keine Floskel mehr bleiben – wir werden alles tun, um uns schützend vor sie zu stellen und gegen den antisemitischen Geist vorzugehen! Wenn die Schülerinnen jetzt gleich die Namen der vertriebenen und ermordeten Hemsbacher Juden verlesen und wir für Jeden und Jede eine Kerze entzünden, dann beschwören wir Geschehenes und setzen ein Gedenkzeichen für die Opfer, für die Nachkommen der Vertriebenen und gegen jede Judenfeindschaft unter uns. Der Stuttgarter Dichterpfarrer Albrecht Goes schreibt uns dies ins Gewissen: „Geschehenes beschwören: aber zu welchem Ende? Nicht, damit der Hass dauere. Nur ein Zeichen gilt es aufzurichten im Gehorsam gegen das Zeichen des Ewigen, das lautet: >Bis hierher und nicht weiter<. Ein Gedenkzeichen, geschrieben - wohin und für wen? Ach, in die Luft schreibt, wer ihrer gedenkt, ihrer, deren irdisches Teil vergangen ist, Staub und Asche in Erde und Wind. Man hat vergessen. Und es muss ja auch vergessen werden, denn wie könnte leben, wer nicht vergessen kann? Aber zuweilen muss einer da sein, der gedenkt. Denn hier ist mehr als Asche im Wind. Eine Flamme ist da. Die Welt würde erfrieren, wenn diese Flamme nicht wäre.“ (Albrecht Lohrbächer am 22. Oktober 2020)