Die ehemalige jüdische Gemeinde

Juden sind in Hemsbach seit 1660 nachweisbar. Sie sind zunächst nur mit einem Eigennamen und der Beifügung „Jud“, ab 1705 dann mit Vornamen und Familiennamen erwähnt. Sie gehörten meist zu den ärmeren Bevölkerungskreisen. 1729 wohnten hier 14 Familien, von denen 6 ein eigenes Haus besaßen. Die jüdische Gemeinde erreichte 1875 mit 111 Personen ihren höchsten Bevölkerungsanteil (6,9 %). Die erste Synagoge stand am Werretor (=Wehrtor), sie musste 1799 verpfändet werden. Erst über 4 Jahrzehnte später konnte die Gemeinde einen Neubau ins Auge fassen. Sie erwarb dafür das Grundstück Mittelgasse 16 und errichtete dort 1845 die Synagoge und die Mikwe. Im 19. Jahrhundert waren hier nacheinander 3 Rabbiner tätig, denen später 5 Kantoren folgten, die zugleich den Unterricht der Kinder übernahmen, bis diese ab 1872 in die allgemeine Volksschule wechselten.

Ein Licht auf die soziale und ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung wirft die Zahl der Auswanderer: von 1833 bis 1932 emigrierten 37 Personen. Demgegenüber stand der reiche jüdische Bankierssohn Carl Meyer Freiherr von Rothschild (1788 – 1855), der das Hemsbacher Schloss kaufte. Er erweiterte und verschönerte es sogleich durch Anbauten im toskanischen Stil und legte einen repräsentativen Park mit seltenen Sträuchern und Bäumen an. Seine Verdienste belohnte die Gemeinde 1839 durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Der Freiherr dokumentierte sein Wohlwollen später erneut, als er zur Unterstützung bedürftiger christlicher Gemeindebürger einen ansehnlichen Betrag stiftete, aus dem bis 1917 Unterstützungsgelder nach Hemsbach flossen. Das Schloss dient heute als Rathaus.